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Aus der Geschichte von Bilderlahe

Bilderlahe war die südlichste Gemeinde des Landkreises Hildesheim-Marienburg und wurde erstmals um 1100 n. Chr. erwähnt.

Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich oftmals im Laufe der Jahrhunderte. 1100 hieß der Ort Bidela, 1238 Billerla, 1297 Bilderlahe, 1590 Bilberla, 1686 Bilderla und 1793 Binderlage. Bis zu seiner Zerstörung in der Stiftsfehde war Bilderlahe ein Dorf, welches zu den Besitzungen des Stiftes Gandersheim gehörte. Um 1100 belehnte die Äbtissin mit dem damaligen Bidela die Grafen von Seeburg und nach deren Erlöschen die Grafen von Woldenberg. Letztere erbauten auf der Höhe des Hebers bei Bilderlahe im Jahre 1295 die Burg Woldenstein. Das zu dieser Burg gehörende Wirtschaftsgebäude und das Amtshaus wurde bereits im damaligen Dorf Bilderlahe errichtet.

Die Wahl des 253 m hohen Bergkegels zur Erbauung der Burg ergab sich aus seiner günstigen strategischen Lage. Von hier aus kannte die von Frankfurt über Northeim kommende Handelsstraße, die bei Engelade in den Ambergau eintrat und nach Hildesheim und Braunschweig führte, beherrscht werden, auch war von der Höhenburg die Beobachtung der Harzstraße Nordhausen - Osterode - Seesen - Goslar möglich.

Seit Beginn des 14. Jahrhunderts ist die Geschichte Bilderlahes mit der des Woldensteins eng verknüpft, in der Stiftsfehde drang am 18. Mai 1519 Herzog Erich I. von Calenberg mit seinem Kriegsvolk von Süden her in den Ambergau und zerstörte die Burg Woldenstein. Die Burg wurde geplündert, verbrannt und in den Grund gerissen. Etliche Gefangene, die im Burgverlies wegen irgendwelcher Verbrechen eingekerkert waren, verbrannten in erbärmlicher Weise.


Die Burg Woldenstein hatte ursprünglich eine Größe von 120 x 40 m und die Form einer Ellipse. Sie war von einem doppelten Graben umfasst und von dreifachen Mauern umgeben. Heute ist nur noch die Ruine des Burgfriedes mit einer Höhe von 24 m vorhanden. Aus den Trümmersteinen der Burg wurden das Vorwerk Heber und die Wirtschaftsgebäude der Domäne Bilderlahe errichtet.
Nachdem auch die Dörfer des Gerichts Woldenstein ( des späteren Amtes Bilderlahe ) und auch Bilderlahe in Flammen aufgegangen waren, lagerten sich die Feinde am 20. Mai 1519 vor den Toren Bockenems.(Hildesheimer Stiftsfede 1519-1523)

Neben Bilderlahe wurden auch die südlich liegende Siedlung Nienstedt und der nördlich gelegene Ort Odenhausen zerstört, von dem lediglich die Kirche erhalten blieb, die aber 1812 wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Der Kirchhof diente bis 1954 den lutherischen Einwohnern Bilderlahes als Begräbnisstätte. 1953/54 entstand in der Nähe der alten Dorfstelle die neue Siedlung Adenhausen mit vier Bauernstellen.

Zurück zur Burg und Amt Woldenstein. Beim Friedensschluss 1523 fiel beides an Herzog Heinrich d.J. von BraunschweigWolfenbüttel. Er ließ in Bilderlahe ein Amtshaus zur Verwaltung des nunmehrigen Amtes Bilderlahe errichten. Zum Amte gehörten außerdem Groß Rhüden, Mechtshausen, Wohlenhausen, Königsdahlum und Klein Ilde.

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Nach 120 Jahren in braunschweigischem Besitz wurde Bilderlahe nach dem Restitutionsrezeß vom 9.4.1643 als Folge des 3Ojährigen Krieges dem Bischof Ernst von Hildesheim zugesprochen. In jenem Krieg war Bilderlahe abermals zerstört worden und wurde erst allmählich wieder aufgebaut. 1717 erstand die katholische Kirche, 1737 wurden die 4 Stationsmale errichtet. Bis zum 2. Weltkrieg gab es auch eine katholische Schule, der heutige Pfarrgemeinderaum.

Im Jahre 1823 zählte Bilderlahe 26 Feuerstellen mit 205 Einwohnern. Bis nach dem 2. Weltkrieg hat sich diese Zahl kaum verändert. Erst nach der regen Bautätigkeit in den 60er und 70er Jahren erhöhte sich die Zahl der Bürger auf ca. 700. Die neuen Sielungsgebiete erhielten die Bezeichnungen Mühlenkamp und Petersberg; beide hatten rund 110 Häuser. Nicht zuletzt wegen dieser Vergrößerung wurde 1966 eine zentrale Wasserversorgung in Betrieb genommen. Der heutige Ortsteil Neustadt liegt im oberen Teil des früheren, bereits erwähnten Nienstedt. Dies lag an der Gandersheimer Heerstraße, einer wichtigen Handelsstraße, die aus Richtung Holzminden kommend über Gandersheim über den Heber nach Seesen und Braunschweig führte. Da nun die Straße 3 km über Hildesheimer Gebiet führte, musste Wegezoll entrichtet werden. Um dem zu entgehen, wurde um 1770 die Straße über den Dannhäuser Berg, die heutige B 64 gebaut. Mit der Herrschaft Napoleons in Deutschland wurden 1807 die Ämter aufgelöst. Nach seiner Vertreibung griff die hannoversche Regierung 1815 auf die alte Ämtereinteilung zurück und richtete das Amt Bilderlahe wieder ein, das um Lamspringe und einige Orte des Amtes Winzenburg vergrößert wurde. Bilderlahe wurde Staatsdomäne.

Den Amtssitz verlegte man 1828 nach Lamspringe in die leerstehenden Gebäude des dortigen Klosters, es erhielt auch die Bezeichnung Amt Lamspringe. 1854 wurde Bilderlahe dem Amt Bockenem zugeschlagen und 1885 dem Kreis Marienburg, der später mit Hildesheim zusammengeschlossen wurde.

Mit diesen Neuordnungen verlor Bilderlahe seine Bedeutung. Von diesem Zeitpunkt an bestimmte die Domäne wesentlich die Dorfentwicklung. Durch ihren Einfluss wurde die Entwicklung allerdings eher gehemmt. Erst nach dem 2. Weltkrieg war wieder ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen. So wurden 1959/60 die Dorfstrassen ausgebaut.

Weiterhin wurde bei den zuständigen Instanzen erreicht, dass ein Teil der Domäne - 180 ha - aufgesiedelt wurde. Neun neue Bauernstellen von 12 bis 14 ha wurden geschaffen. Die restlichen Flächen dienten der Aufstockung bestehender landwirtschaftlicher Kleinbetriebe. Von den neuen Hofstellen lagen 4 in Adenhausen, 5 auf dem Heber.

Mitte der 50er Jahre wurde die 1900 erbaute evangelische Volksschule vergrößert, 1956 die ev. Gustav-Adolf-Kapelle errichtet. Vor 1900 waren die evangelischen Kinder nach Mechtshausen bzw. Engelade zur Schule gegangen.

Mit dem Bau eines Ehrenmales 1964 würdigte die Gemeinde die Opfer der beiden Weltkriege. 1971 wurde die Domäne aufgelöst, die Gebäude wurden verkauft, die Ländereien zur Aufstockung der landwirtschaftlichen Betriebe verpachtet.

Dem Zug der Zeit folgend, verlor Bilderlahe am 1.7.1972 seine Selbständigkeit und gehört seitdem zur Stadt Seesen.

Auf Drängen der Schulaufsicht wurde auch die Schule geschlossen, so werden die Bilderläher Kinder in den Seesener Schulen unterrichtet. Die ehem. Schulräume werden vom MTV Seesen für seinen regen Übungsbetrieb und als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Vor allem aber dient es mit seinem Anbau von 1979 dem Kindergarten als Unterkunft, der durch eine Elterninitiative ins Leben gerufen wurde und eine der letzten eigenständigen Bilderläher Einrichtungen ist. 1996 konnte der Schützenclub Bilderlahe die Einweihung des eigenen Schützenhauses feiern. Vom ersten Spatenstich bis zur Einweihung verging kaum mehr als ein Jahr. Dies Haus welches in Eigenleistung durch die Dorfgemeinschaft gebaut wurde, steht seit dem auch für das alljährlich gefeierte Dorffest als Festsaal zur Verfügung.

Der 07. August 2002 wird vielen Bürgern aus Bilderlahe noch lange in Erinnerung bleiben. Eine in dieser Größenordnung vermutlich noch nie dagewesene Flutkatastrophe verwüstete etliche Wohnhäuser in Bilderlahe. Nach Starkregenniederschlag (~ 110 mm über dem Heber) entwickelte sich in kürzester Zeit aus dem kleinen Mühlenbach ein reißender Strom, der sich die Neustadt und die Mühlenstraße als "neues" Flußbett suchte. Die Gewalt des Wassers riss die Teerstraße und Wegbefestigungen fort. Auch in der Siedlung "Burg" und selbst auf der Hebersiedlung richteten die gewaltigen Wassermassen einen verheerenden Schaden an.
Bemerkenswert war die Hilfe derer, die nicht betroffen waren und anderen halfen. Bis in die späte Nacht waren Hilfskräfte im Einsatz um eine Normalisierung in großen Teilen wieder herzustellen.
Aber erst in den folgenden Tagen wurde klar, was das Wasser für einen Schaden angerichtet hatte. Abgerutschte Straßenhänge, weggespülte Straßen, zerstörte Wohnungen, massive Schäden an Wohngebäuden, verwüstete Gärten, ...
Aufgrund dieser Katastrophe wurde von der ev.-luth. Kirchengemeinde Mechtshausen-Bilderlahe, dem Ortsrat, der kath. Kirchengemeinde und den örtlichen Vereinen eine "Hochwasserhilfe Bilderlahe" iniziert, diese sammelte Spenden, um den geschädigten Bürgerinnen und Bürgern aus Bilderlahe eine kleine, aber schnelle und unbürokratische Hilfe zur Verfügung zu stellen.

Im Sommer 2003 wurde nach nur fünf Wochen Bauzeit eine überdachte Sitzgelegenheit an unserem Dorfgemeinschaftshaus neu errichtet. Diese Gemeinschaftaktion wurde durch die Zusammenarbeit der Vereine und Verbände und private Spenden möglich. Es soll ein neuer zentraler Mittelpunkt für das dörfliche Geschehen entstehen, um für die Bürger Bilderlahes sowie die Vereine, Verbände und Organisationen einen Treffpunkt zu schaffen. Die Einweihungsfeier am 21. September war eine gelungene Sache, aber schauen Sie selbst hier nach.

Dieser kurze Überblick kann nur einen ersten Eindruck von der geschichtlichen Entwicklung des Dorfes Bilderlahe vermitteln. Hat dieser Einblick dazu beigetragen, das Interesse an der Heimat und ihrer Geschichte zu wecken, ein wenig neugierig auf die Wurzeln unseres Dorfes zu machen, dann ist sein Zweck erreicht.


Ein Mitbürger aus Bilderlahe hat sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte unseres Dorfes als Buch niederzuschreiben, wie Sie ihm dabei unterstützen können lesen sie hier.

Zusammen getragen und verfasst von Wilhelm Ulrich, Gerhardt Winkel, Ute Hesse - Bilderlahe