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Die Flut vom 07. August 2002

Berichte aus der örtlichen Presse, mit freundlicher Unterstützung vom Seesener Beobachter.

 

Seesener Stadtteil Bilderlahe wurde von zweistündiger Sintflut heimgesucht

 

Erst waren es die Rhüdener, die Seesener und die Bornhäuser, die die Folgen sintflutartiger Regenfälle zu spüren bekamen, am frühen Mittwochabend nun traf es die Bilderläher, und das mit ganzer Härte. Gegen 17 Uhr öffneten sich die himmlischen Schleusen, und der dann folgende etwa zweistündige Wolkenbruch ließ den Seesener Stadtteil im Wasser förmlich ertrinken.

 

 

Seesen/Bilderlahe (G. J.). In dieser Zeit ergossen sich in Bilderlahe etwa 100 Liter Wasser auf einen Quadratmeter. Eine Sintflut, die Folgen zeitigte: Äcker, Wiesen, Vorgärten und die Straßen verwandelten sich im Handumdrehen in reißende Flüsse. Gullydeckel wurden aus ihrer Verankerung förmlich herauskatapultiert und später nicht selten einige Hundert Meter weiter von ihren angestammten Standorten wieder aufgefunden.

 

 

Der Einsatz der Ortswehr Bilderlahe gestaltete sich äußert schwierig, wie Ortsbrandmeister Martin C. Milke in einem Gespräch mit dem -Beobachter- betonte: Das Wasser stand zum Teil bis zu 70 Zentimeter auf der Straße, wir hatten nach der Alarmierung echte Probleme, überhaupt zum Gerätehaus zu gelangen! Kurze Zeit später war Stadtbrandmeister Manfred Struck -vor Ort-, um mit den Bilderlähern die Einsatztaktik festzulegen. Die Zeit drängte, denn die Notfallmeldungen überschlugen sich: Waren es auf dem "Petersberg", in der "Erfurter Straße" und in der "Dresdener Straße" nur einzelne Einsatzstellen, so kündeten die Anwohner der Straßen "Neustadt", "Mühlenstraße", "Lindenallee", "Drei Linden" und "Burg" von Totalüberschwemmungen; im Klartext: Hier standen alle Keller unter Wasser. Zudem wurden große Teile des Straßenbelages der "Neustadt" bis zur "Lindenallee" geschwemmt bizarre Bilder, wo man auch hinblickte. Besonders schlimm erwischte es den Ortsteil "Burg", der durch Erdrutsche (im Verlauf der "Kirschenallee") und Hochwasser über geraume Zeit von der Außenwelt abgeschnitten war. Gesperrt werden musste ferner die K58 zwischen Engelade und Mechtshausen - hier ging über längere Zeit nichts mehr.

 





Klar, dass die Ortswehr Bilderlahe Unterstützung benötigte, und so wurden etwa 100 -Blauröcke- aus Ildehausen, Herrhausen, Bornhausen, Rhüden und Seesen; die Kernstädter mussten zuvor neun Keller im Bereich Hochstraße, Breslauer Straße, An den Teichen, Frankfurter Straße Sudetenstraße und -Am Sonnenberg- auspumpen alarmiert. -Vor Ort- war übrigens auch das DRK aus Seesen, dessen Mitstreiter(innen) die Betreuung von verzweifelten Bürgern und Familien übernahmen.



Die Zahl der Keller, die in Bilderlahe bis zum Stehkragen voll waren, liegt noch nicht vor, es sollen aber an die 40 gewesen sein. Um dem feuchten Element den Garaus zu machen, wurden insgesamt zehn Kreiselpumpen und 15 Tauch- und Wasserstrahlpumpen eingesetzt. Darüber hinaus hatte man 250 Säcke mit Sand vom Kinderspielplatz gefüllt, um der Flut Einhalt zu gebieten.

Zu allem Unglück fiel in Bilderlahe um 18.36 Uhr auch noch der Strom aus. Wie ein Sprecher der Licht- und Kraftwerke Seesen dazu auf Anfrage erläuterte, sei Wasser in einige Trafostationen eingedrungen und habe einen Kurzschluss ausgelöst. Nach umfangreichen Reparatur- und Reinigungsarbeiten in den Trafostationen sei dann um 20.45 Uhr die Stromversorgung für alle Bilderläher wieder aufgenommen worden.



Während sich in Bilderlahe die Lage allmählich entspannte, erreichte die Hochwasserwelle gegen 22 Uhr Rhüden, und hier hieß es dann zum X-ten Mal: Land unter! Fast pausenlos im Einsatz waren die Mitarbeiter des Baubetriebshofes der Stadt Seesen.

Seesener Beobachter 08. August 2002


Baubetriebshof war fast rund um die Uhr im Hochwassereinsatz
Mit Mann und Material gröbste Schäden beseitigt

Die Sintflut in Bilderlahe - auch Rhüden wurde wieder in Mitleidenschaft gezogen - rief am Mittwochabend nicht nur die Feuerwehren auf den Plan, die im Kampf gegen die Wassermassen an allen Fronten hervorragende Arbeit leisteten, auch einige Fernseh-Teams sahen sich ob der Katastrophe, die den Seesener Ortsteil ereilte, veranlasst, über das Geschehen zu berichten. Und so flimmerten Bilder über das Hochwassergeschehen auf RTL und N3 über die Mattscheiben.



Seesen (G. J.). Eine Reportage wäre auch der spezielle Einsatz der Männer des Baubetriebshofes Seesen wert gewesen, bei dem am Mittwoch gegen 18 Uhr in Sachen Hochwasser die Alarmmeldung auflief. Zunächst ging es darum, die gefährdeten Bereiche zügig abzusperren. Entsprechende Maßnahmen waren in Bilderlahe, aber auch in Seesen und Rhüden erforderlich. Darüber hinaus galt es, Sand anzuliefern beziehungsweise Sandsäcke nach Bilderlahe und Rhüden zu transportieren.

 



Um die Folgen des Hochwassers zu beseitigen, waren der Deutz-Schlepper (mit Vorbaubesen), Lkw, Unimog sowie die große Kehrmaschine und Multicar (mit Vorbaubesen) im Einsatz, und zwar bis 1 Uhr nachts.

Vier Stunden später war für das Bauhof-Team die Nachtruhe bereits wieder beendet. Mit fast kompletter Belegschaft wurden die betroffenen Straßen in Bilderlahe und Rhüden gereinigt, Straßeneinläufe gesäubert und gespült - viele waren mit Kies vollgelaufen. Außerdem reparierten zwei Steinsetzerkolonnen Gossen und abgesackte Hofeinfahrten. Schließlich machte sich die Straßenbaukolonne daran, die erheblich beschädigte Straße "Neustadt" wiederherzustellen. Wie die Stadt dazu mitteilte, sollten die gröbsten Schäden bis gestern Mittag beseitigt worden sein.



In den oberen Bereichen der "Neustadt", außerhalb der bebauten Ortslage in Höhe der Teiche, wurde mit einem Bagger gerarbeitet und versucht, in den Graben wieder eine Wasserführung zu ermöglichen. Wenn nicht wieder starke Regenfälle auftreten, hofft der Baubetriebshof, könnten diese Arbeiten möglicherweise bis zum Wochenende überwiegend beendet werden.

Seesener Beobachter 09. August 2002